Blues Is My Favourite Colour - Natascha & The Bluescrackers
Christian Töchterle (KUFOBU Burgau), verantwortlich
für die Liner Notes auf unserer CD, schreibt...
Höre ich Natascha,
denke ich an den Blues.
Das
war nicht immer so. Vor Jahren noch spukte eine literarische Gestalt aus
Tolstois „Krieg und Frieden“ gleichen Namens in mir herum. Schön jedoch,
dass der Mensch Dinge, die ihm mühselig sind, mit einem Mal ausblenden
kann und sich dem zuwendet, was er für wirklich wichtig hält:
In
meinem Fall war es die Entdeckung einer charakterstarken Frau, die über
ihren Freundes- und Bekanntenkreis hinaus liebevoll „Nati“ genannt wird,
und ihrer Musik, deren Interpretation Enthusiasten weltweit als „Chicago
Blues“ bezeichnen. Endlich hatte das Österreich der „Starmaniacs“ eine
Protagonistin gefunden, die dieser Kulturform des „anderen Amerika“ eine
dauerhafte weibliche Gesangsstimme mit Unvergleichlichkeitsfaktor
verlieh!
Nataschas Erweckungserlebnis in Sachen Blues geht nicht auf die
Schürfarbeit einer alternativen Plattensammlerin und
Austropop-Abweichlerin zurück, sondern auf einen USA-Aufenthalt in den
frühen Neunzigern. Hier waren es die unvermeidlichen Ausflüge durch die
zahlreichen Blueslokale von New York und Philadelphia und eine Kassette
von Muddy Waters und Buddy Guy, den Chicago-Blues-Heroen, die den
lebenslangen, weil gutartigen Blues-Virus auf sie übertrugen.
Wieder zurück in Österreich, suchte sie nach und nach die künstlerische
Nähe zur heimischen Blues- und Jazzszene, von der sie schließlich fixer
Bestandteil werden sollte. Im November 1999 erfolgte ihr Debüt im Wiener
„Blues Man Café“. Von da an nahmen die Engagements als Mitglied und Gast
in niveauvollen U-Musik-Bands kein Ende mehr.
Anno
2003 erblickte ihr Lieblingsprojekt das Licht der Welt: Natascha &
The Bluescrackers.
Natis
Working Band, mit der sie den vorliegenden Tonträger eingespielt hat,
ist eine klassische Chicago-Blues-Formation plus einer singenden
Leaderin.
Dies
bedeutet zum einen viel rhythmische Eigentümlichkeit, hervorgebracht
durch eine österreichische Naturgewalt am E-Bass, Wolfgang Frosch, und
den begabten Nachwuchsdrummer Tom Hirschler, zum anderen das
außergewöhnlich elegante Pianospiel des Multiinstrumentalisten Arthur
Fandl, der auch als Komponist des „Ramble Boogie“ beeindruckt, die
einzigartige, virtuose Blues-Harp eines Martin Sedlinger und die
Fingerfertigkeit eines Gitarristen wie Sigi Flamisch, Natis
„Lieblingsonkel“, der im Gefolge der Chicagoer Altvorderen absolut
versteht, wovon er zupft.
Natascha selbst identifiziert sich vor allem mit den Songtexten, die sie
interpretiert; tatsächlich ist ihre umwerfende Gesangskunst auch in
keine Schublade zu stecken.
Mit
einer feurigen Performance, gleich ob im Studio oder auf der Bühne, gibt
sie dem Blues die Fröhlichkeit zurück, die ihn in Chicago stets
ausmachte.
Trivialphilosophisch betrachtet, ist der Blues mit der Sehnsucht nach
Ankunft verbunden.
Nati
hat zu verweilen gelernt, aber einiges auch hinter sich gelassen. In
„ihrer“ Stadt, bei ihren Lieben, an der Wiege der modernen
Unterhaltungsmusik, die sie für sich und ihr Publikum allzeit schaukelt,
ist sie fürs Erste angekommen. Das ganze Leben, wie sie es sich
erträumt, wird folgen. Ganz bestimmt!
Blueser wissen doch am allerbesten: “You can't get a good woman down!”
Christian Töchterle
KUFOBU Burgau